Exportländer im Vergleich – wo die Zahlung am häufigsten ausbleibt.

Verzüge in Indien und Brasilien per Jahresende stark gestiegen

Wien, 9. Februar 2017 – Die OeKB Versicherung veröffentlicht erneut jene Top 10 Exportländer, aus denen die Zahlungen an ihre Kunden am häufigsten ausbleiben. Ein starker Anstieg der Verzüge hat Indien per Jahresende seine Spitzenplatzierung eingebracht. Brasilien wurde durch die sprunghaft schlechtere Zahlungsmoral der dort ansässigen Unternehmen direkt auf Platz 4 katapultiert. Türkei nimmt wie im Vorquartal den ersten Platz in der Liste der Länder mit den höchsten Zahlungsverzügen ein.

Der heimische Kreditversicherer OeKB Versicherung versichert offene Forderungen und hat die Top 10 Exportländer mit den höchsten Zahlungsverzügen zusammengefasst. Für die Entwicklung der Verzüge und der durch einen Forderungsausfall entstandenen Schäden wurden die Zahlen zum Jahresende 2016 mit jenen des dritten Quartals 2016 verglichen.

Auf einen Verzug folgt meist ein Schaden

In 75 Prozent der Fälle ist ein Verzug der Vorläufer eines Schadensfalles. Das restliche Viertel resultiert aus der Insolvenz von Abnehmern. „Wenn unsere Versicherungsnehmer steigende Verzüge melden, dann ist das für uns ein wichtiger Indikator für die zukünftige Entwicklung eines Landes. Denn genau in diesen Ländern werden erfahrungsgemäß auch die Schäden steigen“, erklärt Karolina Offterdinger, Vorstand der OeKB Versicherung – eine Marke der in Österreich führenden Kreditversicherung Acredia Versicherung AG.

Indien: durch sprunghaften Anstieg der Verzüge auf Platz 2

Indiens Wirtschaft ist weltweit eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Die Kreditversicherung OeKB Versicherung bemerkt bereits den prognostizierten Aufschwung. Denn aktuell fragen Versicherungsnehmer verstärkt nach Forderungsabsicherungen für Geschäfte mit indischen Abnehmern.

„Die Umsätze ziehen an und die Risiken bleiben, so steigen schließlich die Zahlungsverzüge“, erklärt Offterdinger. Als Ursache für die aktuell hohen Verzüge vermutet sie Indiens Bargeldreform, die nicht nur eine Konfusion bei den Banken, sondern auch eine kurzfristige Wachstumsdelle ausgelöst habe. Beunruhigt sei der Kreditversicherer allerdings nicht.

Brasilien: mit der Wirtschaft wachsen auch die Verzüge

Brasilien steckt nach wie vor in einer Rezession, doch die Talsohle dürfte nun durchschritten sein. Das größte Land Südamerikas ist reich an Rohstoffen sowie landwirtschaftlichen Produkten und die EU ist sein wichtigster Handelspartner. Vor allem infolge der Währungsabwertung erzielte Brasilien laut Handelsministerium im vergangenen Jahr den höchsten Handelsüberschuss in seiner Geschichte. Damit Hand in Hand steigen die Devisenreserven 2017 laut IHS Global Insight um +0,4 Prozent.

„Trotz durchaus positiver Aussichten lassen brasilianische Abnehmer unsere Versicherungsnehmer immer häufiger auf ihr Geld warten“, stellt Offterdinger fest. „Das für 2017 verbesserte Risikoprofil Brasiliens bedeutet daher noch lange nicht, dass Exporteure jetzt einfach drauflos liefern sollten. Wie man sieht, sorgen die politischen und die wirtschaftlichen Risiken immer wieder für offene Rechnungen“, ergänzt Offterdinger.

Türkei: erneut Spitzenplatz mit den höchsten Zahlungsverzügen

Der einstige vielversprechende Boom-Markt gilt heute bei Wirtschaftsexperten und Investoren als Risiko-Partner. Die Türkei ist aber nach wie vor ein wichtiger Markt für österreichische Exporteure. „Die Verzüge steigen bei unseren Versicherungsnehmern etwas stärker als ihre Umsätze. Insgesamt werden unsere Erfahrungen mit offenen Forderungen türkischer Abnehmer tendenziell schlechter“, stellt Offterdinger besorgt fest. Die konjunkturelle Entwicklung wird gebremst durch die schwerfällige Bürokratie, die hohe Importabhängigkeit der Industrie sowie den Kursverfall der Lira. Auch die künftigen Beziehungen zur USA und zu Europa bleiben abzuwarten. Insgesamt hält die politisch volatile Lage an.

USA: steigende Schäden aber sinkende Verzüge

Die Vereinigten Staaten von Amerika nehmen erneut einen Platz in der Liste jener zehn Länder ein, aus denen Zahlungen an österreichische Unternehmen am häufigsten ausbleiben. Die möglichen Ursachen für die finanzielle Schwäche der US-amerikanischen Wirtschaft sind unter anderem der rückläufige Privatkonsum, die sinkenden lokalen Investitionen sowie die anhaltende politische Unsicherheit auch oder gerade nach der Angelobung des neuen Präsidenten Donald Trump. „Die steigenden Schäden waren zu erwarten – sie sind eine direkte Auswirkung der hohen Verzüge vom Vorquartal“, erklärt Offterdinger. Langfristig gehe die Kreditversicherung allerdings nicht von einem erhöhten Exportrisiko aus.


09. Februar 2017

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