Exportländer im Vergleich – wo die Zahlung am häufigsten ausbleibt.

Türkei bleibt Risikopartner.

  • Zahlungsmoral: Top 10 Exportländer mit den höchsten Zahlungsverzügen
  • Risiko-Partner Türkei: zum dritten Mal in Folge auf Platz 1, Inflation am Höchststand
  • Größter Erdöl-Exporteur Saudi-Arabien: Zahlungsmoral merkbar verschlechtert
  • Wachstumsmärkte Rumänien, Österreich und Slowakei: mit Wirtschaft wachsen Verzüge

Wien (12. April 2017) – Die OeKB Versicherung veröffentlicht für das erste Quartal 2017 die Top 10 Exportländer mit den höchsten Zahlungsverzügen gegenüber ihren Versicherungsnehmern. Verglichen wurden dabei die Zahlen zum Ende des ersten Quartals 2017 mit jenen des vierten Quartals 2016.

„Zahlungsverzüge sind für die österreichische Wirtschaft ein wichtiger Indikator. Denn genau in den betroffenen Ländern werden erfahrungsgemäß künftig auch die Zahlungsausfälle steigen“, erklärt Karolina Offterdinger, Vorstand der OeKB Versicherung, eine Marke des österreichischen Marktführers Acredia Versicherung AG.

Türkei: erneut Spitzenplatz bei den höchsten Zahlungsverzügen

„Die Geschäfte österreichischer Unternehmen mit der Türkei laufen zwar insgesamt noch immer gut, aber unsere Erfahrungen mit der Zahlungsmoral türkischer Abnehmer werden sukzessive schlechter“, stellt Offterdinger fest. Die Verzüge stünden stabil auf einem hohen Niveau. Die aktuell erhöhten Schäden durch Zahlungsausfälle seien laut OeKB Versicherung eine direkte Folge der bisherigen Verzüge.

Die Inflationsrate in der Türkei ist seit circa zehn Jahren auf einem Höchststand. Vor allem der starke Verfall der Lira erschwert türkischen Abnehmern aus unterschiedlichen Branchen das pünktliche Begleichen offener Forderungen. „Viele Auslandsinvestoren verlieren das Vertrauen. Dringend benötigte Kapitalzuflüsse bleiben aus und Direktinvestitionen werden auf Eis gelegt“, auch darunter leide laut Offterdinger die Wirtschaft. Insgesamt hält die politisch volatile Lage an, wodurch auch politische Risiken eines Forderungsausfalles steigen – zum Beispiel durch mögliche Unruhen oder Devisentransferbeschränkungen. Die Kreditversicherung rechnet im laufenden Jahr mit rückläufigen Umsätzen österreichischer Exporteure bei gleichzeitig steigenden Zahlungsrisiken.

Saudi-Arabien: Zahlungsverzögerungen im Bau- und Baunebengewerbe

Die einst boomende Baubranche befindet sich in einer schwierigen Phase – Aufträge gehen zurück und Zahlungen an zuliefernde Versicherungsnehmer der OeKB Versicherung sind zum Teil massiv in Verzug. „Die anhaltend niedrigen Ölpreise zwingen Saudi-Arabien zur Sparpolitik und es werden praktisch keine Staatsaufträge mehr vergeben. Das belastet die Wirtschaft. Zusätzlich befeuern die gekürzten Strom-, Wasser-, und Benzinsubventionen sowie die höheren Abgaben die Inflation“, erklärt Offterdinger. Die Lage werde auch im laufenden Jahr angespannt bleiben.

Rumänien, Österreich und Slowakei: Mit der Wirtschaft wachsen auch die Verzüge!

Wächst die Wirtschaft im Land, nehmen auch die Außenhandelsbeziehungen zu und so sei es laut dem Kreditversicherer ein ganz natürliches und sogar positives Zeichen, dass in Rumänien, Österreich und in der Slowakei die Zahlungsverzüge steigen. Die Slowakei nimmt dabei nun erstmals einen Platz in der Liste der Top 10 ein, Österreich entspricht circa der Platzierung von vor einem Jahr.

Nach einem soliden Wirtschaftswachstum Österreichs 2016 wird für die heimische Wirtschaft ein Wachstum im EU-Durchschnitt prognostiziert. Dieses liegt laut Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) 2017 bei 1,8 Prozent. Das Wachstum Rumäniens (2017: 4 Prozent) und der Slowakei (2017: 3,1 Prozent) wird gemäß wiiw sogar weit über dem EU-Durchschnitt liegen. Der private Konsum und steigende Investitionen bleiben die wichtigsten Wachstumstreiber. Langfristig gehe die Kreditversicherung nicht von einem erhöhten Zahlungsrisiko aus. Dennoch rät Offterdinger den Unternehmern: „Behalten Sie Ihre Außenstände im Auge und mahnen Sie sofort, wenn eine Zahlung ausbleibt – auch wenn Sie innerhalb der EU liefern.“

Zahlungsverzug: ein häufig unterschätztes Risiko für den Verkäufer

Immer dann, wenn ein Abnehmer nicht im vereinbarten Zeitraum zahlen kann, spricht man von einem Zahlungsverzug. In drei Viertel der Fälle folgt auf einen Verzug ein Zahlungsausfall. Das Gefährliche daran: Zahlt der Abnehmer nicht, ist auch die Liquidität des Verkäufers gefährdet. Im schlimmsten Fall kann auch der Verkäufer seine offenen Rechnungen nicht bezahlen. Davor schützt eine Kreditversicherung: Die OeKB Versicherung schützt offene Forderungen und ermöglicht Unternehmen dadurch sichere Geschäfte.


12. April 2017

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